Friederike Heiberg

Erworben bei ebay am 24. September 2017 für insgesamt 2,00 € von einem Briefmarkenhändler.

 

Christaine Eifert schreibt 2011 in ihrem Buch Deutsche Unternehmerinnen im 20. Jahrhundert:

Friederike Heiberg gründete 1910 die Deutsche Kongress-Zentrale in Berlin, die sie bis 1968 leitete.

Das Berliner Adressbuch von 1943 entfällt auf Seite 1031 folgenden Eintrag:

Friede Heiberg – Verlag – Grunewald – Hohenzollerndamm 67a

Das Berliner Adressbuch von 1935 enthält den Eintrag:

Friede Heiberg – Buch(handel?) – Schmargendorf – Salzbrunner Straße 44a

Der Brief ist an „Friedrike“ adressiert, hier wurde offenbar das „e“ vergessen, denn sonst macht der Adressbucheintrag „Friede“ keinen Sinn.

Ich habe die Berliner Adressbücher von 1912 – 1943 nur sporadisch durchsucht, finde aber keinen Eintrag für die Deutsche Kongress-Zentrale (DKZ).

Die DKZ wurde in Dritten Reich gleichgeschaltet und war ab Ende 1936 dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda untergeordnet. So berichtet eine freikirchliche Quelle:

Zum Abschluss der Tagung befasste sich Dr. Andreas Liese mit der Reise des Vorsitzenden der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), Heinrich Wiesemann, 1938 nach Schweden, um darzulegen, wie die Deutsche Kongress Zentrale (DKV), die seit Ende 1936 dem Propagandaministerium untergeordnet war, ganz gezielt kirchliche Vertreter benutzt habe, um die Interessen Deutschlands im Ausland zu vertreten. Jeder, der eine Auslandsreise zu einem Kongress oder einer ähnlichen Veranstaltung beantragen wollte, sei im Zusammenhang mit der Beantragung von Devisen von der DKV unterrichtet worden, in welcher Weise er sich im Ausland zu verhalten, wie er mit ausländischen Pressevertretern umzugehen und in welcher Weise er Deutschland zu repräsentieren habe. Nach der Rückkehr hätte ein Bericht verfassen werden müssen, der dann über die DKV an den Sicherheitsdienst (SD) weitergeleitet worden sei. Wiesemann habe sich nun nicht nur an diese Richtlinien gehalten, sondern im Kontakt mit dem schwedischen Diplomaten Lagerkranz gleichzeitig versucht, politischen Einfluss auf Schweden im Sinne des NS-Staates zu nehmen.

In dem Buch Translation und „Drittes Reich“: Menschen – Entscheidungen – Folgen (Seiten 118/119) von Dörte Andres, Julia Richter und Larissa Schippel aus dem Jahr 2016 wird gleiches berichtet:

Laut Jahresbericht von 1939/40 waren 500 Sprachkräfte von der DKZ erfasst. Die Personalakten der Deutschen Kongress-Zentrale enthalten eine Fülle von Informationen über Einzelschicksale von Dolmetschern und Übersetzern. Diese Personalakten im Detail auszuwerten steht noch an. Doch eines scheint sich abzuzeichnen: Wer als Dolmetscher tätig sein wollte, musste regimtreu sein und diese Treue unter Beweis stellen können. Regelmäßig schickte die Deutsche Kongress-Zentrale Leumundsanfragen an die Geheime Staatspolizei in Berlin bzw. den Chef des Sicherheitsamtes.

Politische Zuverlässigkeit stand für die Deutsche Kongress-Zentrale an erster Stelle, sprachliche Eignung an zweiter. Der Dolmetscher stand im Dienst des Nationalsozialismus und hatte die nationalsozialistische Weltanschauung zu vertreten und auf diese Weise den „Kampf“ der Nationalsozialisten zu unterstützen. Als Mitglied der Deutschen Kongress-Zentrale oder der RfD [Reichsverband der beeidigten Dolmetscher] unterstand der Dolmetscher der Kontrolle der Behörden, der Partei und … der Kollegen.

Als Literatur in Deutscher Sprache ist außerdem zu nennen: Miriam Winter, 2012, Das Dolmetscherwesen im Dritten Reich : Gleichschaltung und Indoktrinierung. Nach dem Inhaltsverzeichnis wird dort auch die DKZ behandelt (Kritik).

Ansonsten ist noch anzumerken, dass zwei Quellen angeben, dass die DKZ erst 1934 entstanden ist, Quelle 1 und Quelle 2, hier unter Bezugname auf Winter 2012, Seite 56:

Moniens politische Gesinnung wird besonders in einer vier Seiten langen Aufzeichnung aus dem Jahr 1941 deutlich, in der er – nicht frei von Hochmut – ausführlich Auskunft über seine Tätigkeit als Leiter der RfD [Reichsverband der beeidigten Dolmetscher] und in der Wehrmacht gibt. Darin berichtet er:

Vor der Machübernahme durch die NSDAP bestand als einzige Organisation der Dolmetscher der Reichsverband der beeidigten Dolmetscher, dem ich als beeidigter Dolmetscher für die russische Sprache angehörte. Im Mai 1933 erzwang ich ohne amtlichen Auftrag die Auflösung dieses völlig verjudeten Verbandes und beantragte und erwirkte seinen Anschluss an die „Deutsche Rechtsfront.“

Weiterhin erklärte Monien, ihm sei als späterer Reichsfachschaftsleiter der RfD unter großem persönlichem Einsatz „die Erfassung der arischen Dolmetscher“ und nach seiner Gründung der Dolmetscherzentrale die dortige „Ausschaltung der immer noch zahlreichen jüdischen Übersetzer und wilden Übersetzungsbüros“ gelungen.

Es kann daher sein, dass die Deutsche Kongress-Zentrale von Frau Heiberg (Gründung 1910) nicht identisch ist mit der Deutschen Kongress-Zentrale des Nationalsozialismus (Gründung 1934), das vermag ich jetzt jedoch nicht abzuklären!?! Weiterhelfen könnte das Kapitel DKZ im o.g. Buch von Frau Winter.

Insofern möchte ich auch nicht über die Rolle von Frau Heiberg in der Zeit des Nationalsozialismus spekulieren. Aber darum geht es hier ja auch nicht, es geht ja nur darum, einen Briefumschlag historisch etwas einzuordnen und, falls möglich, einen Kontext herzustellen.

Bezüglich des Absenders, des „Bezirksgerichts der Presse“ ist zu nennen: Nora Düwell, 2008, „Die Standesgerichtsbarkeit der Presse im Nationalsozialismus: Das Bezirksgericht der Presse München„.

 

image_print

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.