Werner Schillow – Berlin Schiffsmakler und Reeder

Werner Schillow war Schiffsmakler und Nautiklehrer in Hamburg und Berlin und Begründer einer der ältesten Privatreedereien der Stadt.

Im zu ehren trägt ein Restaurantschiff Am Charlottenburger Tor seinen Namen:

Im Internet ist – per heute jedenfalls – leider bis auf den Hinweis auf das Restaurantschiff nichts über den Schiffsreeder Werner Schillow überliefert.

Bis auf eine Ausnahme, so berichtete die Berliner Zeitung am 20. August 1994 wie folgt:

Frau am Steuer: Seit 18 Jahren ist Brigitte Schillow die einzige Kapitänin der Stadt
Mit Patent auf den Berliner Gewässern

Brigitte Schillow ist die einzige Kapitanin auf Berlins Binnengewässern. Drei bis viermal in der Woche nimmt sie das Steuer selbst in die Hand. Die blau-weiße Flagge weist schon von weitem den Weg zu der Reederei Schiffs-Schillow. Vom Büro dieser ältesten Privatreederei Berlins aus dem Jahr 1908 haben Werner und Brigitte Schillow einen guten Blick über die Spree und auf ihre drei Schiffe, zwei Ausflugsdampfer und eine Barkasse. „Nach der Schule wollte ich eigentlich Stewardeß werden, wie damals alle jungen Mädchen“, erzählt die S4jährige, „doch ich war zu groß.“ Also vermittelte ihr das Arbeitsamt eine Lehrstelle als Schiffahrtskauffrau beim Flußschiffahrtskontor im Westhafen. „Als einer meiner Kollegen für drei Monate auf dem Rhein mitfahren durfte, wurde ich hellhörig, denn Ich war als junges Mädchen sehr technikbegeistert.“ Bei der nächsten Fahrt war Brigitte Schillow mit an Bord. „Erst habe ich nur Messing geputzt und Rost geklopft. Als ich die Maschine zum ersten Mal abschmieren durfte, war ich richtig stolz„, erinnert sie sich. Dann half der Zufall nach. „Der Jungmatrose war nach einem Landgang verschwunden. Da die Zahl der Matrosen vorgeschrieben ist und kontrolliert wird, habe ich mir die Haare unter einer Mütze hochgesteckt und niemand hat es gemerkt.

Zurück in Berlin lernte sie auf einer Jubiläumsfeier Werner Schillow kennen. „Genauer gesagt hatte ich zuerst nur einen Blick auf seinen 300er Mercedes geworfen. Den wollte ich doch unbedingt einmal fahren.“ Werner Schillow überließ ihr ohne zu fragen sein Auto und hatte gewonnen. Sie wechselte dann in die Firma ihres Mannes und begleitete ihn, wenn er die firmeneigenen Schlepper und Frachtschlffe steuerte. „Da kam es natürlich auch vor, daß ich mal das Steuer halten mußte. Ich sagte mir, das muß ähnlich sein wie Autofahren und habe es einfach versucht.

Weil sich mit der Binnenschiffahrt immer weniger Geld verdienen ließ, sattelte Werner Schilow auf die Überführung von Schiffen um. Brigitte war auf den Fahrten nach Tanger. Alexandria oder lbiza immer mit dabei. 1976 machte sie ihr erstes Kapitänspatent. „Ich war die einzige Frau unter 50 Männern, aber ich hatte soviel Erfahrung, daß die Prüfung nicht so schwer war.

Heute hat Brigitte Schillow fünf Kapitänspatente und darf Schiffe auf allen Wasserstraßen Deutschlands außer auf dem Rhein steuern. Das allein reichte ihr noch nicht. Wieder als einzige Frau machte sie ein paar Motorenkurse, um im Ernstfall das Schiff auch reparieren zu können. „Das lag einfach nahe, schließlich habe ich immer bei Reparaturen zugesehen, Schraubenschlüssel und Bierdosen gereicht.“ Gerissene Keilriemen und lwechsel sind seitdem kein Problem mehr für die resolute Frau. Ein einziges Mal war sie kurz davor, die Kapitänsjacke auszuziehen. „Da wollte ich nach einigen Kursen an einer Steuerschule in die Bekleidungsbranche wechseln.

Die Entscheidung für die Reederei hat sie nicht bereut, auch wenn die Arbeit hart ist. ,“Als ich auch noch die Kantine gemacht habe, bin ich morgens zum Fleischgroßhandel und habe dann den ganzen Vormittag Fleisch durch den Wolf gedreht, dazu der Bürokram und die Arbeit als Kapitänin.“ Die Kantine hat sie mittlerweile verpachtet und auch die Reparaturen überläßt sie inzwischen anderen. „Heute habe ich lackierte Fingernägel, oft genug waren sie aber abgebrochen und ölverschmiert.“ Mit der Männerwelt auf den Schiffen hatte sie nie Probleme. „Schon als junges Mädchen war ich ein bißchen jungenhaft. Das lag vielleicht daran, daß meine Mutter lieber einen Jungen gehabt hätte. Ich war jedenfalls immer der Meinung, was ein Mann kann, kann eine Frau genausogut.

Für die Reederei Schillow wird 1946 der Firmensitz: „Berlin-Charlottenburg, Königin Luise Straße 14″ angegeben. Die Straße erhielt ihren Namen um 1905 und hatte diesen bis zum 30. März 1950, ihr heutiger Name lautet Bonhoefferufer. Die Hausnummerierung für die Nummer 14 blieb auch nach der Umbennennung gleich, so dass die Reederei ihren Firmensitz am heutigen Bonhoefferufer 14 hatte.

Das Besondere an dem Brief ist, dass nicht nur der Absender, Werner Schillow, sondern auch der Empfänger, die Arbeitsgemeinschaft der Binnschiffahrt, Teil der Berliner Schiffahrtsgeschichte sind.

Zur Arbeitsgemeinschaft ist bei Wikepedia zur Geschichte der „Deutsche Binnenreederei“ vermerkt:

Zur Überführung der Binnenschiffe in staatlichen bzw. volkseigenen Besitz wurde 1946 die Arbeitsgemeinschaft Binnenschiffahrt als Reederei gegründet mit dem Ziel, alle Binnenschiffstransporte der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) durchzuführen 1949 erfolgte die Auflösung bzw. Umbenennung in Deutsche Schiffahrts- und Umschlagbetriebe (DSU) …

Den Briefumschlag habe ich am 03. Dezember 2017 für insgesamt 3,60 € bei ebay ersteigert. Der Brief wurde am 09. März 1946 in Charlottenburg abgestempelt. Frankiert ist er mit Briefmarken-Ausgaben Berlin und Brandenburg der Sowjetischen Besatzungszone, Michel Nummer 1 und 2. Zu dieser Zeit wurde Berlin von der Alliierten Kommandantur verwaltet.

 

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